Rematch

Hallöchen!

Schön, dass du wieder am Start bist. Heute möchte ich darüber sprechen, warum in den letzten Wochen nichts kam. Und zwar geht es um das Thema Rematch. 

Anfangs würde ich erstmal das Prinzip des Rematches erläutern. Wer schon weiß was ein Rematch ist, kann diesen Absatz gern einfach weiterscrollen.
Ein Rematch beschreibt eine Zeit (in der Regel zwei Wochen), nachdem das Profil des Aupairs und der Hostfamilie wieder auf der Aupair in America Seite freigeschaltet wird. In diesen zwei Wochen hat man die Zeit eine neue Familie beziehungsweise ein neues Aupair zu finden. Damit man im Rematch ist, kann viele unterschiedliche Gründe haben und man kann da wirklich nichts pauschalisieren! Trotzdem werde ich versuchen, die häufigsten Grunde einmal zusammenfassen. Die häufigsten Gründe, weshalb Aupairs und deren Familien im Rematch sind, ist wohl, wenn es dem Aupair und/oder der Familie nicht gefällt. Dies wiederum kann mehrere Gründe haben. Das Aupair kann zum Beispiel eine schlechte Arbeit machen, das Aupair fühlt sich nicht wohl bei der Familie oder das Aupair kommt nicht mit den Kindern klar. Manchmal kommt es auch zum Rematch, wenn das Aupair oder die Gastfamilie gegen den unterzeichneten Vertrag verstoßen (zum Beispiel das Aupair zu lange arbeiten lassen, ihr keine freien Tage geben oder sie nicht bezahlen). Wie ich am Anfang schon gesagt habe, ist die normale Rematchzeit zwei Wochen. Bei besonderen Gegebenheiten oder/und Umständen, kann sie aber auf insgesamt vier Wochen verlängert werden. Wenn das Aupair nach der Zeit keine neue Familie gefunden hat, muss sie zurück in ihr Heimatland fliegen und die Kosten für den Flug komplett selber tragen (die Organisation bezahlt normalerweise den Rückflug nur bei einem vollendetem und erfolgreichem Jahr).

Wie schon im ersten Satz beschrieben, war ich im Rematch. Der Grund war, dass es persönlichkeitstechnisch, vor allem mit meiner Hostmom, nicht gepasst hat. Wir haben es über vier Monate immer wieder versucht gehabt, aber es ist einfach nicht besser geworden und ich war auch nur bis zu einem gewissen Punkt dort glücklich. Ich hätte das Jahr dort wohl "durchgezogen", obwohl es mir da emotional nicht so richtig gut gibt. Ich hatte aber erstmal Angst vor dem Rematch, da es als Educare Aupair fast unmöglich ist, eine neue Familie zu finden und ich wollte mein Gastmädchen nicht verletzen und enttäuschen. Nach meinem Trip nach Chicago hat meine Gastfamilie mir gesagt, dass sie mit mir sprechen wollen. In diesem Gespräch haben sie mir dann auch mitgeteilt, dass sie denken, dass ein Rematch besser wäre. Als sie mir das gesagt haben, war ich sehr traurig und habe natürlich auch geweint Ein paar Tage später habe ich aber gemerkt, dass es das richtige war und dass es mir damit besser gehen wird. Egal, ob ich eine neue Familie finde oder nicht.
Erst am 13 Tag meines Rematches habe ich meine erste und einzige interessierte Gastfamilie bekommen. Sie leben in Chicago und haben ein Mädchen (7 Jahre alt). Ich habe mit ihnen auch gesprochen und sie sind sehr nett, jedoch habe ich das Gefühl, das das Mädchen einfach zu gegensätzlich für mich ist. Sie ist sehr ruhig, schüchtern, wird schnell nervös und hat Probleme mit Menschen zu sprechen. Deshalb habe ich ihnen einen Tag später (Tag 14 meines Rematches) geschrieben, dass es mir sehr leid tut, aber der Funke irgendwie nicht zu mir über gesprungen ist. Die Familie war anscheinend sehr interessiert an mir, wie sie begeistert von meiner Art waren und dass ich Gitarre spielen kann, war der extra Bonus. Sie haben auch mit meiner LCC geschrieben und wollten noch mehr Infos über mich haben. Natürlich denke ich momentan viel darüber nach, was wäre gewesen, wenn ich mich für sie entschieden habe. Andererseits ist mein Herz und mein Kopf schon wieder zurück in Deutschland. Schließlich kam erst in meinen letzten beiden Tagen meines Rematches ein Vorschlag, ich habe mich also schon mit dem Gedanken angefreundet, nach hause gehen zu "müssen". Außerdem hat die Familie auch mit 8 anderen Aupairs geredet, also wäre diese Familie garnicht sicher gewesen und mir Hoffnungen machen, dass ich bleiben kann und dann aber doch gehen muss - das wäre auch wirklich blöd gewesen.

Also war nun klar, dass ich nach hause muss. Da hat sich dann direkt das nächste Problem aufgetan. Neele und ich haben noch einen kurzen Trip nach Seattle und einen langen Urlaub nach Kalifornien und Nevada gebucht. Der lange Urlaub wäre aber nach meiner Rematchzeit gewesen. Ergo, ich wäre normalerweise schon in Deutschland. Daraufhin habe ich mit meiner LCC geredet und sie hat mit dem Büro von AIFS/APIA geredet. Sie meinte dann, dass ich meinen Urlaub noch machen kann (da schon alles bezahlt ist), wenn ich irgendwo eine Bleibe finde. Problem gelöst - dachte ich. Dann kam die nächste Frage - wo soll ich bleiben? Meine Gastfamilie wollte ich nicht fragen, ob ich länger bleiben kann und viele andere Optionen hatte ich nicht. Habe dann eine Frau gefragt, mit der ich zusammen Spanisch im College hatte. Ihr name ist Maryellen und sie hat drei Kinder in meinem alter (ihr mittlerer Sohn wurde im selben Jahr und am selben Tag geboren wie ich und wir beide liegen Politik und sind sehr organisiert). Sie hat dann gesagt, dass es kein Problem ist und sie sehr glücklich ist, wenn sie mir helfen kann. Also bin ich am 30. Oktober bei meiner Gastfamilie ausgezogen und zu ihr, ihrem Mann und ihrem jüngsten Sohn gezogen. Ich fühle mich bei ihnen schon willkommener, als ich mich je bei meiner Gastfamilie gefühlt habe und sie interessieren sich auch wirklich für mich. Sie war mit mir einkaufen, hat mit mir mein Bankkonto aufgelöst, ist mit mir zusammen in ein Musical (Sweeney Todd) gegangen (von Schülern gemacht, wirklich super gut!) und sind zusammen bei der "Cheesecake Factory" essen gegangen. Sie hat mich sogar zum Flughafen gefahren und sogar noch Neele abgeholt, obwohl es überhaupt nicht auf dem weg lag. Sie hat mir auch wieder angeboten, dass sie mich zum Flughafen fährt, wenn ich meinen Finger nach Deutschland nehme.

Das letzte große Problem war, dass ich leider kein Geld habe, um den Flug nach Deutschland zu buchen. Natürlich könnten meine Eltern den bestimmt bezahlen, aber eigentlich möchte ich ihnen nicht immer auf der Tasche hängen. Da ich ja zwei Wochen hier bin, ohne das ich mein Gehalt bekomme, da ich ja nicht mehr arbeite, habe ich in meinem Urlaub schon Geldprobleme gehabt und schulde Neele momentan noch knapp 500$. Also habe ich eine Mail an das Büro von AIFS/APIA geschrieben und erläutert, warum ich der Meinung bin, dass sie mir meinen Rückflug bezahlen sollten.
1. Ich war bei meiner Gastfamilie zwar nicht glücklich, hätte das Jahr aber durchgezogen. Also wollten sie das Rematch und nicht ich.
2. Hatte ich nicht einmal die Chance eine neue Familie zu finden, da ich ja keinen Familienvorschlag bekommen habe (außer am Ende noch einen, aber als ich die mail geschrieben habe, hatte ich noch keinen), da es in dem Educare Programm einfach weniger Familien gibt (hier finde ich außerdem, dass die Organisation mehr Familien dieses Programm erläutern sollte, denn für sehr viele Familien würde auch ein Educare Aupair reichen).
3. Kam es quasi aus dem nichts, da meine Gastfamilie nie angedeutet hat, dass sie ein Rematch wollen. Nach einigen Monaten habe ich raus gefunden, dass sie meinen Blog lesen und vielleicht haben sie darin gelesen, dass ich übers Rematch nachdenke. Nichtsdestotrotz hab ich mich dadurch extrem kontrolliert gefühlt, was unter anderem auch ein großer Grund war, warum in dem letzten Monaten quasi nichts kam (abgesehen von den Trips, aber das war ja auch alles sehr kurz gehalten).
Als Antwort habe ich dann bekommen, dass sie mir Zustimmen und ich in einer besonderen Situation bin, weshalb sie mir meinen Rückflug bezahlen, falls ich keine Familie finde. Da ist mir echt ein Stein vom Herzen gefallen! 
Blöd ist nur, dass meine Eltern ihre Flüge schon gebucht haben, da sie mich im April 2019 besuchen wollten. Die haben sie storniert. Trotzdem bekommen sie von den 2100$ nur 400$ zurück. Ich finde das eine Frechheit und überhaupt nicht gerechtfertigt! Wir haben jetzt einen Anwalt eingeschaltet und hoffen, dass wir mehr als nur diesen Krümel zurück bekommen. Wir haben es schließlich ja auch lang genug im Voraus gecancelt.

Zum Glück hat sich alles irgendwie geklärt. Natürlich bin ich schade, dass ich zurück nach Deutschland muss, aber ich bin mindestens genauso glücklich nach hause zu können. Ich vermisse meine Familie und meine Freunde mehr, als ich gedacht hätte. Nur leider weiß ich nicht so genau, was ich bis nächsten Oktober machen soll. Ich möchte dann ja Anfangen zu studieren, das geht aber erst Oktober 2019. Habe überlegt Praktika oder ein FSJ zu machen. Oder, dass ich arbeite und mit dem Geld dann noch ein wenig Reise oder ob ich für ein paar Monate ein Aupair in England bin (geht dort von 3-6 Monaten).
Auf jeden Fall geht morgen mein Flieger nach Deutschland und ich komme am 13. November gegen 17 Uhr in Hannover an. Dort holt mich meine beste Freundin ab und danach essen wir mit meiner Familie zusammen Abendbrot. Meine Oma, Opa und Tante werde ich ich dem restlichen Verlauf der Woche besuchen, da ich erstmal Zeit brauche um anzukommen und um zu schlafen (schließlich war ich einen Tag unterwegs und dann sind da ja auch noch die 7 Stunden Zeitverschiebung).

Mit Maryellen verstehe ich mich super, ich war auch heute mit ihr in der Kirche und die Kirchen hier sind um einiges cooler und interessanter als in Deutschland. Wären die Kirchen beziehungsweise die Gottesdienste in Deutschland so wie hier, würde ich sogar darüber nachdenken, öfter in die Kirche zu gehen, als einmal pro Jahr. Mit dem Sohn verstehe ich mich auch super und sie und ihre restliche Familie wollen nächsten oder übernächsten Sommer Urlaub in Österreich und Deutschland machen. Sie haben schon angekündigt, dass sie dann mal nach Braunschweig kommen um mich zu besuchen und die Stadt anzuschauen.

Freut mich, dass du bei diesem superduperlangem Eintrag dran geblieben bist. Im nächsten soll es darum gehen, wie es mir mit dem Koffer packen ergangen ist, wie der Abschied von meiner Gastfamilie und wie der "richtige" Abschied von Maryellen und Texas war. Der Eintrag zu meinem großen Urlaub kommt auch die nächsten Tage/Wochen. Ich muss einfach sehen, wie ich dazu Zeit finde. Mit etwas Glück schaffe ich alle Einträge im Flugzeug auf dem Weg nach hause! Bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße, Kiara.

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