Der erste Monat

Hallöchen!

Freut mich, dass du wieder vorbeischaust. Ein knappen Monat war es still. Einerseits, weil es irgendwie nicht so richtig was zu erzählen gab. Andererseits, weil ich nicht so richtig die Lust finden konnte, mich vor meinen Laptop zu setzen und mein Gripps zu benutzen. Aber nun bin ich zurück und erzähle dir, wie es mir ergangen ist.

Wie ich ja schon in meinem letzten Post geschrieben habe, war der Empfang super herzlich (schau auch gerne nochmal in deinem Eintrag rein, falls du das noch nicht getan haben solltest). Die Tage verlaufen ohne besondere Vorkommnisse, alles so wie immer. Besonders schade finde ich, dass das Familienleben in Amerika komplett anders als in Deutschland ist. Wir essen zwar Abends zusammen, aber auch am Wochenende essen wir nicht gemeinsam Frühstück. Das vermisse ich ein wenig, dieses typische deutsche Familienfrühstück am Sonntagmorgen.
Mit dem Mädchen hatte ich einige Startschwierigkeiten, aber es wird besser. Ich kann sie verstehen, denn schließlich war das alte Aupair für 3 Jahre hier und da mein Mädchen erst 7 Jahre ist, war das andere Aupair immer da, seit sie bewusst denken kann. Das heißt, sie hat ihre beste Freundin verloren und dafür ist eine "blöde, neue deutsche" da.
Mit dem Jungen ist es auch ein wenig besonders. Wir sprechen fast nicht miteinander und sehen uns auch eigentlich nur beim Abendessen oder wenn ich ihn irgendwo hinfahre. Er ist 15 Jahre alt, also mitten in der Pubertät. Wenn ich er wäre, würde ich auch nicht gerne mit meinem "Babysitter" Zeit verbringen. Vor allem, da ich ja nur drei Jahre älter bin als er. Mit einem Mädchen in seinem alter wäre es wohl ein wenig einfacher, weil man dann auch zusammen in die Stadt gehen kann oder ähnliches. Auf sowas hat der Junge, selbstverständlich, keine Lust, vor allem nicht mit seiner "Aufpasserin". Er sitzt viel in seinem Zimmer, schaut Serien oder spielt Xbox, wie jeder andere pubertierende Junge auf der Welt auch und das ist auch vollkommen ok!
Mit meinem Gasvater hatte ich von Anfang an nicht besonders große Schwierigkeiten. Mit ihm war es irgendwie einfach zu reden. Ich habe nicht immer alles "zerdacht" und im Kopf "vorbereitet", bis ich es gesagt habe. Bei ihm fällt es mir auch nicht schwer ein Gesprächsthema zu finden, weil ich auch das Gefühl habe, dass er sich wirklich für mich interessiert. Da er viel geschäftlich unterwegs ist, war er in meiner zweiten Woche direkt für 5 Tage in Deutschland. Durch einen glücklichen Zufall, war er in der Nachbarstadt von meiner Heimatstadt und hat dann sogar meine Familie getroffen und mir noch einige Sachen aus Deutschland mitgebracht. Meine Eltern finden ihn sehr sympathisch und es beruhigt und freut mich, das zu hören.
Mit meiner Gastmutter ist es ein bisschen schwieriger. Ich weiß nicht, worüber ich mich mit ihr unterhalten soll. Mir fällt einfach kein Gesprächsthema ein. Wenn wir dann mal zusammen in der Küche sitzen, schweigen wir uns einfach 30 Minuten lang an. Auch das englisch sprechen fällt mir vor ihr nicht so leicht. Sie schüchtert mich ein wenig ein. Aber ich hoffe, dass das noch besser wird - aber bestimmt.

Ich habe hier schon viele neue Leute kennen gelernt, viele Aupairs, aber auch einige Amerikaner. Leider sind viele Aupairs, mit denen ich was zu tun habe, schon ein Jahr hier und reisen jetzt alle langsam nacheinander ab. In meinem letzten Post habe ich ein Aupair erwähnt, mit dem ich zum Lunch weg war. Sie hat diesen Sonntag ihre Abschiedsfeier und geht am Montag in ihren Reisemonat und danach zurück nach Deutschland. Vor zwei Wochen war ich auf einer Geburtstagsfeier eingeladen und dieses Aupair verlängert zwar um 9 Monate, jedoch wechselt sie die Gastfamilie und zieht in 3 Wochen nach Kalifornien. Mit den beiden und einem vierten Aupair war ich vor drei Wochen in dem Film "Mamamia 2" und der Film war wirklich super, ich kann ihn nur weiter empfehlen! Dann gibt es aber noch ein Aupair namens Neele. Sie ist seit Januar hier, dass heißt, ich habe sie noch etwas länger als Freundin. 
Hier gibt es ein Angebot von der Kinokette AMC, dass man einmal im Monat 20$ bezahlt und dann jede Woche dreimal ins Kino gehen kann. Das haben Neele, eine andere Freundin namens Sophie und ich uns gemacht. Gestern waren wir in dem Film "The Sky Who Dumper Me" und wir haben jetzt den Donnerstag als Kinotag festgelegt. Heute gehen Neele und ich wieder ins Kino, in den Film "Hotel Transylvanian 3".
Mit ihr war ich auch schon einige Male in der Stonebriar Mall hier in Frisco und wir waren auch schon einmal bei Ikea. Da habe ich mir Dekokrams gekauft, damit mein Zimmer ein wenig heimischer aussieht (Lichterketten, Pflanzen, Lampe (Nachtrag: Pflanze ist einen Monat später verstorben..)).

Vor ein paar Tagen hat mich meine Local Community Counslerin besucht. Für alle die nicht wissen was das ist: Sie ist meine Zuständige vor Ort und passt darauf auf, dass alles nach den Regeln läuft und hilft dabei, wenn es Probleme mit der Gastfamilie gibt. Sie ist also hergekommen, hat einige Fragen im Beisein meiner Gastfamilie gefragt und danach sind wir hoch in mein Zimmer gegangen und sie hat mir noch einige Tipps gegeben und mir ein wenig die ganze Sache mit dem College erklärt. Danach hat sie mich noch zu einem Frozen Yoghurt eingeladen und wir waren noch eine Duftkerze (Keine richtige Kerze, sondern so ein Ding, was man in die Steckdose steckt und oben duftenden Wachs reinlegt. Der schmilzt und dann riecht es gut. Ich hoffe, du hast verstanden was ich meine.) und Schaumbad kaufen, weil sie der Meinung ist, dass ich zu angespannt bin und dadurch vielleicht etwas entspannen kann. Das alles hat ungefähr 3 Stunden gedauert und mit ihr hatte ich keine Probleme so lange englisch zu reden. Es ist einfach passiert. Wohl unter anderem auch, weil ich mich sehr wohl bei ihr gefühlt habe und nicht so eine Angst hatte, etwas falsches zu sagen. Das hat mir gezeigt, dass ich keine Angst davor haben muss englisch zu sprechen und dass ich das auch kann! Ich muss nur über meinen eigenen Schatten springen.

Ich habe mich hier schon relativ gut eingelebt, obwohl ich es sehr schade finde, dass hier das Familienleben so anders ist als in Deutschland.

In meinem nächsten Post soll es übrigens um die ganzen amtlichen Sachen gehen. Also den Führerschein, meine Social Security Card, meine Anmeldung am College und welche Kurse ich da belegen werde. Das war leider alles nicht so einfach wie gedacht, aber dazu mehr im nächsten Post. Würde mich freuen, wenn du da auch wieder dabei wärst, also bis zum nächstes mal!

Liebe Grüße, Kiara.

P.S Ein Bankkonto haben meine Gastmutter und ich mir direkt an meinem dritten Tag erstellt. Ich bin bei der Bank "Chase". Das Konto brauchte ich, damit sie mir mein Gehalt dorthin überweisen können.

P.P.S. Anbei ein Bild von einem Teil meines Zimmers und etwas, dass wir bei den Girl Scouts von meinem Gastmädchen gemacht haben. Ich bin in Deutschland auch schon langjährig eine Pfadfinderin und wollte deshalb hier weiter machen - es war ein witziger Zufall, dass mein Gastmädchen ebenfalls eine Pfadfinderin ist.



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